Yeah, thats my life.

Mal etwas total anderes...

<h1>Geschichten - geschrieben von mir.</h1>

Blaue Augen.

Ich kenne da so einen Jungen. Sein Name ist unwichtig, denn was entscheidend ist, werde ich erzählen. Er war damals noch keine acht Jahre alt. Sein größter Traum war es, ans Meer zu fahren. Und tatsächlich fuhr er vor nicht all zu langer zeit mit seinem Vater, denn eine Mutter hatte er nicht mehr, sie ist vor einigen Monaten ertrunken, nach Sri Lanka. Als sie in Ihrem kleinen Privathäuschen angekommen sind, rannte der kleine sofort auf den riesigen Sandstrand und sah zum ersten Mal in seinem Leben das unendliche, blaue Meer. Voller staunen betrachtete der Junge die Wellen, die sich weit über seinem Kopf brachen. Sein Vater rief ihn, aber der kleine war wie gelähmt. So etwas hat er noch nie gesehen. Sein Vater kam raus, sah den Jungen an. Er konnte sich nicht entscheiden, was blauer war: das Meer, der Himmel oder die Augen seines Sohnes. In diese Augen war er sehr vertieft. Er bemerkte kaum, dass das Wasser, in dem der siebenjährige stand, langsam zurückwich. Es viel ihm erst auf, als der kleine weinte, den er vermisste die wunderschönen Wellen, die eigentlich um seine Beine fließen sollten. Der Vater, immer noch benommen von dem Anblick der blauen Augen, realisierte langsam, dass sich am Horizont gigantische Wellen bildeten. Und er sah sie immer näher kommen. Voller Angst, auch noch seinen Sohn zu verlieren, packte er ihn und lief, so schnell er konnte, auf eine erhöhte Stelle auf seinem Grundstück zu. Doch schnell wurde ihm klar, dass dies nicht Hoch genug war. Er bekam eine enorme Angst. Aber nicht um sich. Er hoffte, seinen Sohn retten zu können, und lief weiter. Immer weiter. Dann, endlich, sah er andere Leute, Einheimische, die auch rannten. Sie rannten auf einen Berg zu. Plötzlich stolperte der blonde, junge Mann über einen auf dem Boden liegenden Ast. Sein Sohn fiel auch, doch er hat sich nicht verletzt. Der Vater spürte jedoch, dass er es nicht mehr auf den rettenden Berg schaffen würde. Also sagte er zu seinem Sohn:  „Kleiner, du weißt, wie sehr ich und deine Mutter dich lieben. Deine Mutter würde nicht wollen, dass du bei mir bleibst. Lauf, lauf den Menschen da nach! Sie werden dir helfen!“ Der Junge, bleich vor Entsetzen, sagte zu ihm: „Nein Vater, ich kann nicht. Mutter würde ganz bestimmt nicht wollen, dass ich dich einfach so im Stich lassen würde, so wie du es bei ihr getan hast!“ Als der kleine, unerfahrene Junge das sagte, wurde dem Vater klar, dass er bereits das Leben seines Sohnes zerstört hatte, denn er war schuld daran, dass seine Mutter, mit den gleichen blauen Augen, wie es der Junge hatte, damals ertrank. Er war nicht rechtzeitig da, um ihr zu helfen. Plötzlich kamen ihm die letzten Worte seiner toten Frau in Erinnerung: „Lasse niemals unseren Sohn ertrinken!“ Das waren die letzten Worte von der Frau, die Wasser über alles stellte. Sie erforschte es, sie nahm es unter Schutz. Aber sich selber vor dem Wasser schützen, konnte sie nicht. Das einzige, was sie konnte, war, ihm, dem Vater eines kleinen, blauäugigen Jungen Kraft zu geben, um ihn vor dem ertrinken zu bewahren. Diese Worte gaben ihm Kraft. Er stand auf, und trotz der gigantischen Schmerzen nahm er seinen Jungen in den Arm und wollte gerade weiter rennen, schneller als er je gerannt ist, als es plötzlich laut um ihn wurde. Zuerst laut, dann hörte er gar nichts mehr. Und es war hell. Sehr hell. Doch dann erfasste die Dunkelheit des Wassers die kleine Familie, schleuderte sie gegen eine Wand und es war aus. Der kleine Junge sah nie wieder das wundervolle, unendliche Meer mit seinen blauen, ebenso unendlichen Augen, die seinen Vater so sehr an seine Mutter erinnerten. Es war der 26. Dezember 2004.
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